Das der Frühling jetzt in den nächsten Jahren und Jahrhunderten wohl immer früher kommen oder gar in ständiger Präsenz in hiesigen Breitengraden verweilen wird, das läßt sich wohl nur schwerlich noch aufhalten, der derzeit in aller Munde befindlichen und von uns allen wohl geförderten Klimakatastrophe sei dank. Vielleicht kriegt die Menschheit ja noch die Kurve. In diesem Jahr allerdings kann ich den Frühling kaum erwarten seit ich zum ersten mal die zum letzten Jahresende erschienende Debut EP der Schottischen Band The Hermit Crabs gehört habe. In diesem Frühling nämlich folgt ihr erstes Album.
Melanie Whittle ist mein Stern dieser Tage, wenn ich durch die Straßen schlendere oder gedankenverloren durch die Lüfte spazieren fliege. Seit der Bandgründung Anfang 2003 war sie das einzige permanente Mitglied der Hermit Crabs, wenngleich ihr der Bassist Des McKenna die meiste Zeit und immer wieder zur Seite stand und mit ihr auch vor vier Jahren die ersten Auftritte zusammen mit Camera Obscura absolvierte. Ihre erste gemeinsame Band California Snow Story hatte sich zuvor eher unfreiwillig aufgelöst. Überhaupt Camera Obscura: Die Nähe und Verbundenheit ist nicht zu überhören. Die gemeinsame Heimatstadt Glasgow, der Gedanke an Belle & Sebastian und der gleiche Sinn für die feine, leise Art der folkinspirierten Popmusik finden sich in den Melodien beider Bands wieder. Und so wie vielleicht „Eigthies fan“ für Camera Obscura könnte der Song „China girl“ für lange Zeit der Song für The Hermit Crabs sein. Eine (leider endliche) liebevolle Kooperation aus Folk und Pop. An Schönheit und Anmut zumindest stehen die bislang noch wenigen Songs der Schotten denen von Tracyanne Campbell und Co in nichts nach. Mit dem Titelsong ihrer „Feel good factor“ EP gehörte die Band, die Ende 2004 durch den Gitarristen John Ferguson und im Sommer 2006 durch den Drummer Tony McDonald komplettiert wurde, vor eineinhalb Jahren zu den Preisträgern eines Song-Writing-Wettbewerbs. Ein schmuckvoller, kurzer und in funkelnder Einfachheit gehaltener Song, aus dessen umschlingenden Umarmungen es jedoch spätestens nach dem zweiten, dritten Hören kaum noch ein Entkommen gibt. Der Stimme von Melanie Whittle erliegt man dabei, eieiei, nur zu gerne. Violinen, ein sanftes Schlagzeug und klare, vorwärtsziehende Lyrics bestimmen auch die drei anderen Songs der Debut EP. Inzwischen arbeiten die vier Einsiedlerkrabben an dem ersten richtigen Album, dass wie die besagte EP beim feinen amerikanischen matinée Label erscheinen wird. Einmal mehr kann sich matinée recordings sicher sein eine wirkliche kleine Popperle in den eigenen Reihen zu haben. Aber da sind The Hermit Crabs ja eh in der besten Gesellschaft von Tender Trap, Math and the Physics Club, Lovejoy und dergleichen mehr. I spend my time with The Hermit Crabs. Für eine Weile zumindest meine Lieblingstiere, ganz sicher. Take a sip of suave pop.