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Auf der Fahrt in einem Wassertropfen, der sich rostbeschmutzt an einen verkalkten Wasserhahn in der Ecke des Zimmers sammelte, durchstreifte ich Welten voller schlammiger und matschender Dunkelheiten, bis ich schließlich in den Rillen einer Schulsohle auf dem fahrenden Boden eines U-Bahn-Abteils landete. Von hier sah die Welt so groß und furchteinflößend aus. Putzlappen, Kinderwagenreifen, sabbernde Hunde und glatte Ledersohlen waren hier nur einige meiner unmittelbarsten Feinde. Ich mußte fliehen, mich auflösen, mich verlieren in anderen Formen und Weiten. Der sternenbestaubte Schweif des Miras zog mich so mit 468000 Kilometern pro Stunde aus mein Sonnensystem in das Universum von Maps. Und hier wollte ich nicht nur den Sommer verbringen.
Mit dem Debutalbum „We can create“ macht sich der aus dem englischen Northhampton stammende James Chapman mit seinem Projekt Maps auf einen Weg, der immer länger und breiter wird, je mehr Menschen sich dieses kleinen und wundervollen Albums einer Reise durch ferne, noch unentdeckte Galaxien annehmen. Die Sterne tanzen.

Chapman ist seit zehn Jahren auf Reise durch seine Gedanken und die reale Welt, daher auch der Name zu dem Projekt. Doch die Nacht und das Bett wurden Chapmans Zentrum. Von hier aus entstand der elektronische Sound von Maps, der sich auf „We can create“ durch die HiFi-Boxen in die hintersten Hirnwindungen bis unter die Tapete der Zimmerwand schleicht und schließlich kreisend durch die Fensterritzen nach draußen entfleucht. Nichts als Musik hatte der Teenager Chapman im Kopf. Endlich, endlich findet seine Bestimmung Gehör. Dabei geht’s gleich ganz nach oben bis auf die Auswahlliste der Alben des Jahres zum Mercury Prize. Nicht ganz unschuldig daran sind Valgeir Sigurdsson (Björk, Múm) und Ken Thomas (Sigur Rós), die „We can create“ mitproduzierten bzw. abmischten. Manchmal genügt eine einzige Textzeile für einen Song („Don’t fear the sun“), manchmal ist die Instrumentierung eines Songs so überladen und schwer, dass es kaum ein Entkommen aus den Klängen gibt. Von Sigur Rós bis Mercury Rev müssen andere musikalische Ideen als Beschreibung herhalten für das aufkommende Werk eines Mannes, dessen Plattensammlung so richtig erst bei den Stone Roses beginnt. Älteres zählt fast gar nicht. Bands wie Spiritualized und My Bloody Valentine haben Chapman maßgeblich geprägt, und vor allem jegliche elektronische Musik hat ihn über die Jahre inspiriert. Die ersten eigenen Veröffentlichungen von Maps brachte Chapman auf seinem eigenen Label Last Space Recordings heraus. Alles weg in kürzester Zeit. Das nunmehr bei Mute erschienende Debut wurde im isländischen Reykjavik im Laufe von Monaten von den ursprünglichen Demoversionen in ein fertiges Album metamorphosiert, dass in diesem Jahr in seiner Welt bislang auf keine Begleiter stoßen wird. Zu einzigartig entfernt bewegt sich „We can create“ in seiner eigenen Umlaufbahn. Aber es wird dich finden. Es sind Songs der vergangenen Jahre, die Chapman über die Zeit begleitend nunmehr in etwas ganz besonderes gebracht hat. Zu bewundern ist das ganze bald auch live auf einer Tour im September in Deutschland.

 [flo; Juli 07]