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Eine Landschaft voller Sehnsüchte und Einsamkeit, nebelversunken in der Frühe des Tages, in der Kälte des Moments oder am Ende eines Weges, eines Lebensabschnitts. Zuversicht und Freude am Leben klingen anders als die zehn Songs des Debutalbums der Mary Onettes aus Schweden. Und doch, Schönheit und Melancholie laufen hier Hand in Hand an den Ufern menschlicher Gedanken und Erinnerungen. Ein einziger Tanz auf den vergangenen Gefühlen von gestern und den Entscheidungen der Gegenwart. Trennung und Schmerz, Hoffnungslosigkeit und Leere. Der Körper zuckt und keine einzige Träne wird hier vergossen werden.

Schwarz ist die alles beherrschende Farbe der Musik der Mary Onettes, die in diesen Tagen Ihr erstes Album beim Labrador Label veröffentlichen, nachdem sie von einem großen Major-Label genauso schnell wieder fallen gelassen wie sie dort unter Vertrag genommen wurden. Nach dem Rausschmiß ohne Bewährungschance wollte die Band ihre Musik ursprünglich im Eigenvertrieb auf die Welt loslassen. Doch ein Demo von ihnen landete bei den Machern von Labrador, die nicht lange zögerten mit ihrem Angebot für The Mary Onettes. Bereits im letzten Jahr fand sich ihre Single „Lost“ ganz weit oben in den Jahreswertschätzungen der elisabett-Redaktion. Da waren sie mal wieder, die Seufzer nach Echo & The Bunnymen, den dunklen Cure und Smiths oder den noch längst nicht verstaubten Editors. Und mit den Mary Onettes könnte vielleicht endlich auch das Buch mit Joy Division geschlossen werden. Düstere Momente, Wege ohne Wiederkehr, Abschied - kein noch so schmerzhaftes Gefühl wird in den Songs des Quartetts um Philip Ekström (vocals, guitar), Petter Agurén (guitar), Henrik Ekström (bass) und Simon Fransson (drums) ausgelassen.

„I have a slow heart to speed up ... we won’t get along with all the past“ oder ähnlich resigniert es ständig in den Texten der vor sieben Jahren in der Kleinstadt Jönköping gegründeten Band. Keine Ahnung, wieso sich vier Menschen so scheinbar gleichgesinnt durchgehend verloren fühlen müssen. Doch keine Spur von Gejammer und eingetretenen Türen. The Mary Onettes konzentrieren sich ganz auf ihre dunkle Seite des Lebens und liefern trotz aller Hoffnungslosigkeit (oder gerade deswegen) mit ihrem in Göteborg eingespielten ersten Album ein kleines Meisterwerk menschlichen Aufrechthaltens ab. Das Album ist wie ein immer wiederkehrendes einziges Fazit: hier ist es zu Ende, so will ich nicht weitermachen. Lieber Abschied nehmen als sich weiter anlügen. Songs wie „Lost“, „Pleasure songs“ oder „Henry“ werden so zu zarten Hymnen aus Traurigkeit und Selbstbewusstsein. So habe ich mich neunzehnhundertvierundachtzig ständig gefühlt und so würde ich heute gerne nochmal empfinden können. Ab und an wenigstens. [flo]
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