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benjy ferree

In der Hochphase meine aufkommenden Pubertät kaufte ich mir vor vielen Jahren ja meine ersten Platten nach den für mich schönsten Covern (oder manchmal auch nach den Albumtiteln). So kam ich zu den bis heute von mir verehrten Prefab Sprout (durch meine Bewunderung für Steve McQueen) und u.a. auch zu einer Platte von Frank Zappa (die mir aber ebenso wie Zappa selbst schnell wieder abhanden gekommen ist). Doch ich glaube, dass Zappa an dem Debutalbum von Benjy Ferree durchaus Gefallen finden würde, und das denke ich auch von dem jungen Jimmy Hendrix oder dem fast schon Grandsegneur des Absurden Films David Lynch, für den Ferree mal eine zeitlang arbeitete als er noch Schauspieler werden wollte. Meine Pubertät, in der ich ebenfalls wie Ferree David Lynch schätzen lernte, verlief aber noch mit weiteren Bands wie Fugazi oder den sich immer zwischen Crossover und Reggae befindlichen Bad Brains, die auch für Benjy Ferree große Bedeutung haben. Insofern ist Ferrees bei Domino erschienende erstes Album „Leaving the nest“ für mich wie eine Fahrt zurück zu den Plattencovern und besungenen Abenteuern meiner Jugend.

Vom Theater und der Ostküste Amerikas machte sich Benjy Ferree und auf der Suche nach dem Glück in Hollywood. Schauspieler wollte er werden, einer wie Marlon Brando. Doch es reichte irgendwie nur für diverse Zuarbeiten an Filmsets. Das es mit der Musik und seiner ganz eigenen Stimme vielleicht viel besser wäre, das entwickelte sich bei Benjy Ferree nur nach und nach und durch die Motivation ganz unterschiedlicher Inspirationsquellen und Antreibern seines Lebensumfeldes. Eine wesentliche Rolle spielte dabei neben Bonnie Prince Billy schließlich Brendan Canty (Mitbegründer und Schlagzeuger von Fugazi), der an den Aufnahmen zu diesem Album und vor allem an dem letzten Schliff wesentlich beteiligt war. Herausgekommen ist mit „Leaving the nest“ ein Werk entrückter Schönheit. Es ist gleichermaßen ein Filmusik- und Partyalbum. Musik, die scheinbar der großen Leinwand entspringt und bei jeder größeren Feierlichkeit zum absoluten Tanz aufspielen könnte. Musik, die durch leere Gemüsedosen scheppert und als Konzentrat dem Blues entsprungen ist. Die leeren Flaschen, aufgereiht, beklimpern sich schwungvoll im Takt. Gelegentlich wie ein Doherty, der auf Gemüsesaft ist oder entzückt wie ein Wainwright feiert Ferree sich selbst und setzt seinen Lebenserfahrungen ein musikalisches Denkmal. Das alles könnte siebzig, fünfzig oder zwanzig Jahre alt sein, es klingt wie die verschollenen Aufnahmen eines staubigen, heißen und vielversprechenden amerikanischen Traums. Eine großartige Platte und nebenbei mit einem einfachen, aber doch schönen Cover. [flo]