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Gerüchte können ganz schön viel auslösen in einem selbst. Freude, Neugier, Ungeduld... und vor allem Angst. Angst vor Veränderungen, Angst davor, dass alles nicht mehr so sein wird wie es ist. Ein Gefühl, dass einen in den Wahnsinn treiben kann, einen blockiert, fast schon lähmt.
Die Shins bringen ein neues Album heraus - ein Meldung, die mich überrannte, meine Mundwinkel gen Himmel bewegte und meine Augen leuchten liess. Ein neues Album meiner Poppropheten. The Show must go on.
Doch das erste Lächeln verschwand schnell, versank in einem dunklen Loch voller Zweifel und Unbehagen. In nahezu allen, traurigen, melancholischen aber auch euphorischen Momenten der letzten Jahre waren sie meine treuesten Begleiter, strichen über meine Seele und fanden einen sicheren Platz in meinem Herzen. "New Slang", "Saint Simon", "Gone for good". Gott, wie ich sie liebe. Und dabei siegte hier mehr das Schicksal als der Zufall. Dass die zunächst als Seitenprojekt geplante Band überhaupt existiert, ist Frontman James Mercer's Langeweile und Unzufriedenheit zu verdanken. Aus einer spontanen Stimmung heraus, vielleicht an einem tristen Sonntagabend, entstanden Songs, die so gar in das musikalische Konzept seiner Band Flake passten. Doch sie mussten raus, in die Welt. Die Geburt der Shins - eine scheinbar einfache, ohne Komplikationen. Ein pflegeleichtes Kind, das just nach einer Tour mit seinen Freunden Modest Mouse einen Plattenvertrag beim legendären Label  SubPop einheimste und von da an wuchs und wuchs. "Oh, Inverted World" kam in den Läden, die Single "New Slang" fand auf dem Soundtrack von "Garden State" ihr zweites Zuhause und Stück um Stück eroberten The Shins mein melancholisches Herz. Als dann "Chutes too narrow" das Debüt fast noch toppte, war den Shins einer der besten Plätze in meiner Plattensammlung sicher.
Und dann im letzten Herbst, als noch immer die Sonne ihr Bestes versuchte und den Sommer bis in den November hinein trieb, nahmen die Gerüchte Formen an, deuteten sich die ersten Zeichen der neuen Platte ab - "Wincing the night away". Nach fast drei Jahren tauchten sie wieder auf, die vier, einfach so, und fragten nicht einmal, ob das überhaupt in meinem Sinne ist. Ich bin dagegen! Ich will das nicht! Kein weiteres Album! Zwei Wunderwerke reichen völlig! Was, wenn die Shins gar nicht mehr die Shins sind?! Wenn sie nicht mehr meine Shins sind?!
Wochen geprägt von Fragen und Zweifel. Unerträglich. Es ist doch nur Musik. Ja eben drum. Und dann, in einem Anflug von ersten Herbstdepressionen, überrannte mich die Neugier und traf aufmüpfig eine Entscheidung. Ich muss es hören, wenigstens ein bisschen. Nur um zu mir selbst zu beweisen, dass ich Recht hatte, dass genug auch wirklich genug ist. Ich stöberte erfolgreich im Netz und fand erste Hörproben. Doch was war das? Die Melodien, die da aus den Lautsprechern surrten, klangen so gar nicht nach meinen Shins. Keine Orkane, die mich von der ersten Sekunde an wegpusten, den Boden unter den Füssen wegbröckeln  lassen, die Gedanken in einer Windhose sammeln und verschlucken. Nein, das hier waren leichte Windböen, die mich nur sanft stubsten und ein Gefühl der Nachdenklich und Ruhe hinterliessen. Jeder Song ganz eigen, überraschend vielseitig und vielschichtig, geprägt von ausgefuchsten Soundstrukturen und abwechslungsreichen Tempiwechseln. So richtig wusste ich nicht, was ich davon halten sollte und fast schon plagte mich mein schlechtes Gewissen, nicht standhaft genug gewesen zu sein, war ich doch ursprünglich gewollt mich mit Händen und Füssen dagegen zu wehren. Augen zu, Ohren zu und alles ignorieren. Ach, das wär ja eh nicht lange gut gegangen....

Und nun bin ich froh. Froh darüber, mich der Herausforderung gestellt zu haben. War gar nicht so schlimm. Es brauchte nur Zeit.
Irgendwie ist auch alles beim Alten geblieben... mit einer Ausnahme: Ich habe eine neue Band entdeckt oder eine Band neu entdeckt. Sie heissen The Shins und  sind mit mir erwachsen geworden, und ich mit ihnen. 

jan2007 | man.ja